Ist Selbstfindung Bullshit?

Selbstfindung

Ins Ausland gehen um sich selbst zu finden, seinen weiteren Lebensweg zu definieren und auf einen Schlag wissen, was man mit seinem Leben anfängt. Vielleicht. Unter Umständen. Für mich fühlt sich das gerade eher nach Bullshit an. Ich bin jetzt seit 4 Monaten auf Reisen, und natürlich hab ich viele neue Ansichten & Eindrücke sammeln können. Neue Wege aufgezeigt bekommen, Erkenntnisse für mich selbst, persönliche Durchbrüche. Aber bin ich dem wonach ich suche, von dem ich noch nicht einmal weiß, was genau es ist, dadurch näher gekommen? Ich weiß es nicht. All die neuen Möglichkeiten, von denen es vorher schon so viele gab, stiften irgendwo nur noch mehr Verwirrung und Unwissenheit in meinem Kopf.

Sind wir nicht alle auf der Suche nach dem bestmöglichen für unser Leben? Haben wir uns für einen Weg entschieden, ergibt sich wieder die Frage, wartet woanders nicht vielleicht was besseres auf mich? Und wir machen uns erneut auf die Suche und das Gedankenrad geht von vorne los. Wer bin ich, wer will ich sein, was soll ich tun. Es ist ja auch berechtigt, irgendwo. Wir haben nur dieses eine Leben, glaube ich. Und natürlich wollen wir in dieses Leben das meiste reinstecken, wollen erfüllt sein, mit Freude, mit Dankbarkeit, mit Glückseligkeit. In jedem Moment voll und ganz da sein. Doch wie kommen wir dort hin? Ist das Familienleben mit Haus, Hund und Kindern das richtige? Oder will ich in New York leben, Kunst machen und am Wochenende mit meinen Freunden auf die Bahamas fliegen? Will ich vielleicht sogar beides und wenn ja wie ist das überhaupt miteinander vereinbar? Ja, natürlich sind das Luxusprobleme. Viele Menschen haben gar nicht erst das Privileg, sich über solche banalen Fragen Gedanken zu machen. Trotzdem lässt es uns nicht los. Trotzdem erschlagen uns die Möglichkeiten, die uns dieses privilegierte Leben gibt. Es ist ein Fluch und ein Segen.

Vielleicht besteht das Geheimnis einfach darin, drauf zu scheißen. Vielleicht sollten wir einfach das, was uns zuerst in den Sinn kommt tun. Akzeptieren, dass wir diese eine Entscheidung getroffen haben und unser bestmögliches geben, mit dieser Entscheidung glücklich zu werden. Und wenn wir dann doch merken, okay, ich habs versucht, irgendwie funktioniert das hier für mich grad nicht, dann ist das auch in Ordnung. Aber das entscheidende ist vielleicht, dass wir uns einfach mal wieder Mühe geben. Denn die meisten von uns sitzen nur rum und warten darauf, dass etwas passiert und dass die Erfüllung schon irgendwann kommt. Aber sie wird nicht kommen. Wenn du keine Leidenschaft in dein Leben steckst, dann wirst du auch kein leidenschaftliches Leben führen.

Jeder von uns hat irgendwelche Träume, die vielleicht auch unerreichbar scheinen. Aber wenn du niemals, zumindest auch nur ausprobiert hast, auf diesen Traum hinaufzuarbeiten, woher sollst du dann jemals wissen, ob das wirklich dein Traum ist oder nur eine Illusion die du dir geschaffen hast? Ich glaube nämlich, dass sich viele von uns hinter einer solchen Illusion verstecken und diese als Ausrede nutzen. Ist doch eh unrealistisch. Ich werde niemals mit Musik mein Geld verdienen können. Aber hast du es jemals ausprobiert? Wenn du es ausprobierst und merkst, du hast Erfolg damit, dann kannst du dich entweder unfassbar glücklich schätzen oder du merkst, dass du eigentlich doch deine 40-Stunden Woche im Büro liebst. In beiden Fällen ist es gut. Selbstfindung ist cool. Aber wir sollten diesen Prozess vielleicht nicht erzwingen. Lasst uns einfach verrückt sein, tretet euch jeden Tag selbst in den Allerwertesten und macht etwas. Egal was, aber macht es. Und macht es richtig. Nicht nur ein bisschen, nicht halb, sondern Voll & Ganz.

 

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