Die zwei größten Fehler beim Reisen – und wie du sie vermeidest

Reisen und die größten Fehler

Gerade auf einer Langzeitreise als eher introvertierte Person ist es nicht immer ganz leicht. Egal wie viele Reiseblogs man vorher liest, war,  welche Art des Reisens für einen selber gut funktioniert oder eben nicht, merkt man erst, wenn man mittendrin ist. Welche Fehler ich beim Reisen gemacht habe, erfährst du in den nächsten Zeilen. Damit DU sie vermeiden kannst. Es kann natürlich sein, dass du die Dinge komplett anders siehst, ich kann hier nur von meinen persönlichen Erfahrungen sprechen. 🙂

Spulen wir mal zurück auf Anfang. Mein erster Solo-Trip. Ganz alleine, ohne Rückflugticket, kein Plan. Ich hatte keine Ahnung, wie lange ich unterwegs sein würde und ob ich in naher Zukunft überhaupt nach Deutschland zurück kehren würde. Super aufregendes Gefühl. Dementsprechend hab ich alles erstmal aufgesogen wie ein Schwamm. Jeden Tag neue Leute kennenlernen, in eine neue Kultur eintauchen, eine andere Sprache sprechen, diese Freiheit, jederzeit den Ort wechseln zu können, ständig etwas Neues erleben. WOW. Ein unbeschreibliches Gefühl. Jeder der mal alleine auf Reisen war, weiß bestimmt wovon ich rede. Man fühlt sich, als könne man fliegen. Alles ist möglich. Grenzen verschwimmen, die Welt kommt dir plötzlich so klein vor und alles scheint irgendwie verbunden zu sein.

So, da war ich dann. Ein paar Monate später. Das Reisen war immer noch spannend, aber diese anfängliche Euphorie ist langsam verflogen. Ich weiß diese Freiheit natürlich nach wie vor zu schätzen und bin dankbar, dass ich diese Möglichkeit überhaupt habe. Ich lebe meinen Traum und sehe etwas von der Welt, während andere vielleicht gar nicht die Möglichkeit dazu haben und sich um ganz andere Dinge Sorgen machen. Aber irgendwas fühlt sich komisch an. Monat für Monat geht vorüber und es entsteht eine Art innere Leere. Ich denke, das liegt bestimmt an dem Ort hier. In Neuseeland konnte ich jederzeit in mein Auto steigen und weiterziehen. Woanders war es dann eben der Flug, in ein neues Land oder auf eine andere Insel. Anfangs hat sich das auch immer gut angefühlt, ‚‘ein Ortswechsel war die richtige Entscheidung!’’. Aber natürlich hat sich dadurch nichts verändert, denn nach einer Weile, habe ich mich wieder genauso gefühlt. Da fangen die Zweifel irgendwann an, ‚‘ist das Reisen vielleicht doch nichts für mich?’’, ‚‘mach ich irgendwas falsch’’. Um mich herum diese ganzen Backpacker, die scheinbar gerade die Zeit ihres Lebens haben und ich mittendrin, mache mir jetzt auch noch Vorwürfe, dass ich keinen Spaß habe.

Nicht falsch verstehen, diese Reise war nach wie vor eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich habe Erfahrungen gemacht, die ich nicht mehr missen möchte, habe sehr viel Neues gelernt, über mich, über die Welt und hab ganz wunderbare, inspirierende Menschen kennengelernt. Alles in allem gab es mehr schöne als schlechte Momente und ich zähle die Reise definitiv zur geilsten Zeit meines Lebens. Trotzdem gab es ein paar Dinge, die dazu geführt haben, dass ich die Zeit oft eben nicht voll und ganz genießen konnte. Im Nachhinein war es jedoch gut, diese Erfahrungen gemacht zu haben, damit ich es auf meiner nächsten Reise anders machen kann.

Die zwei größten Fehler, die ich auf meiner Reise gemacht habe. (Eigentlich sind es drei, aber die ersten beiden sind für mich untrennbar)

1. Zu schnelles Reisen und alleine sein

Wie schon erwähnt, habe ich ständig den Ort gewechselt, wenn mir irgendwas nicht so in den Kram passte. In manchen Fällen kann das auch der richtige Weg sein, wenn du dich beispielsweise in einer Stadt oder einem Land wirklich nicht wohl fühlst, du dich unsicher fühlst oder auch nach mehreren Versuchen irgendwie keinen Anschluss zu den Menschen und der Kultur findest. Um herauszufinden, ob es wirklich an dem Ort liegt oder an dir, musst du dich aber zuerst einmal fragen, ob du es überhaupt versucht hast. Hast du aktiv den Kontakt zu den Leuten hier gesucht? In vielen Fällen war das bei mir der Schlüsselpunkt. Durch die ständigen Ortswechsel war ich irgendwie auch erschöpft davon, immer die gleichen Gespräche zu führen. Gerade wenn man auf andere Reisende trifft, führt man zu Beginn meistens eben den gleichen Smalltalk, was ich nach einer gewissen Zeit echt anstrengend fand. Weil ich zu schnell gereist bin, war ich erschöpft und habe die Motivation verloren neue Leute kennenzulernen und weil ich keine neuen Leute kennengelernt habe, hat mich schon bald nichts mehr an dem Ort gehalten. Ein schöner Teufelskreis.

Gib dir Zeit, die Leute und die Umgebung wirklich kennenzulernen. Auch wenn dir ein Ort vielleicht langweilig erscheint. Ich habe an einem der langweiligsten Orte, die ich besucht habe, die tollsten Menschen getroffen, die für mich wie eine Familie geworden sind. Im Nachhinein erinnern wir uns doch nicht an die vielen Sehenswürdigkeiten, die wir abgeklappert haben, sondern an die Menschen und gemeinsame Erlebnisse. Das heißt nicht, dass es nicht auch schön und gut ist, mal alleine zu sein. Ich liebe es alleine zu sein und plane mir auch bewusst Zeit dafür ein. Das Schöne am alleine reisen ist ja auch gerade diese Freiheit, dass man immer die Wahl hat. Aber manchmal neigt man dazu, sich zu verschließen, wenn man es eigentlich gar nicht will.

2. Den Sinn der Reise aus den Augen verlieren

Was bei mir letztendlich zu einem frühzeitigen Ende der Reise geführt hat, war vor allem die Frage nach dem tieferen Sinn. Ich schien vergessen zu haben, was mich damals so sehr an dieser Idee, die Welt zu bereisen, inspiriert hat. Das Reisen an sich hat mir irgendwie nicht mehr gereicht. Die Aufregung und Vorfreude, die ich sonst jedesmal verspürt habe, wenn ich einen neuen Flug gebucht habe, war nicht mehr da. Reiseziele waren auf einmal keine Motivation mehr. Auch Aktivitäten wie schnorcheln, Bungee Jumping, Partys, kulturelle Veranstaltungen etc. haben mich nicht mehr interessiert. Stattdessen saß ich nur noch im Hostel- oder Hotelzimmer und habe Netflix geschaut. Ob am Traumstrand in Indonesien, in der Weltstadt Singapur oder im hintersten Eck von Neuseeland. Es hat irgendwann keinen Unterschied mehr gemacht.

Es gab da allerdings ein paar sehr wunderbare Dinge. Zum Beispiel diese Freiwilligen-Sache, die ich relativ am Anfang meiner Reise gemacht habe. Auf einer kleinen Farm in Neuseeland, die sich für Tierschutz, Umwelt und Veganismus einsetzt. Ich hab hart gearbeitet und ich war glücklich, denn ich wusste jeden Tag an dem ich aufgewacht bin, dass ich etwas gutes und selbstloses tue. Ich war von Menschen umgeben, die so denken wie ich und habe unglaublich viel gelernt, es war eine unvergessliche Zeit. Im Nachhinein denk ich mir, warum hab ich eigentlich nicht mehr solcher Dinge getan? Das ist aufjedenfall ein Vorsatz für meine nächste Reise. Tu etwas, das dich inspiriert und gib der Reise einen tieferen Sinn. Das kann Freiwilligenarbeit sein, es kann aber auch etwas völlig anderes sein. Vielleicht gehst du mal in ein indisches Ashram oder lebst für eine zeitlang im Dschungel ohne fließend Wasser und Strom. Es kann aber auch cool sein, etwas Neues zu lernen. Wie wär’s mit nem Sprachkurs, ein Surfcamp oder eine Meditations-Ausbildung, was auch immer dir in den Kopf kommt. Denk dran, du bist auf Reisen und das ist deine Zeit. Du kannst sein wer auch immer du willst, du hast keine Verpflichtungen und kannst dich jeden Tag neu erfinden, wenn du das möchtest.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass das Reisen an sich, verschiedene Orte zu besuchen, sich Sehenswürdigkeiten anzusehen kinderleicht ist. Ich habe oft von anderen zu hören bekommen, wie mutig es von mir ist, alleine zu reisen und ich hab mich immer gefragt, was daran mutig sein soll.
Die Herausforderung besteht darin, die Reise zum Leben zu erwecken. Wie ein Buch. Jeder Ort hat eine neue leere Seite. Mit jeder neuen Erfahrung, mit jedem Abenteuer und jeder Person, die du in dein Leben lässt, mit jedem Mal, wo du ins kalte Wasser springst, anstatt draußen am Rand stehen zu bleiben und jedem Mal an dem du den Mut hast, dich zu öffnen, wird die Seite voller und bunter. Es liegt an dir, ob die Seite am Ende leer bleibt oder nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*